Am Tag der Maueröffnung hörten sie es durch die Flure hallen und konnten es nicht glauben

Ich war auf einer Dienstreise im Erzgebirge und wollte im Anschluss meinen Cousin besuchen. Im Radio hörte ich das Interview von der Pressekonferenz in den Nachrichten das die Mauer gefallen sei, das war so unfassbar, man konnte es kaum glauben. Mit meinem Cousin bin ich dann am nächsten Morgen nach Hof gefahren, um dort zu gucken ob wir wirklich über die Grenze dürfen. Der Andrang war so groß, dass wir nicht mal in die Nähe des Grenzüberganges kamen, also beschlossen wir zu unserer Verwandten in der Nähe zu Besuch zu fahren. Die freute sich sehr, und so musste erst die Mauer fallen damit man Verwandte nach langer Zeit besuchte. In den Westen bin ich erst später gefahren.
(Opa Achim aus Berlin Lichtenberg)

Meine Uroma wohnte in Falkensee mit Ihrem Mann, und arbeiteten jeden Tag in einer Gaststätte, im Haveleck. Am Tag des Mauerfall 1989 waren beide im Lokal, als plötzlich ein Gast hereinkam und rief: „Die Mauer ist auf, die Mauer ist auf!“ Bis auf ein paar wenige rannten sämtliche Gäste raus und fuhren sofort zur Bornholmer Straße, denn dort war die erste Grenzöffnung an diesem Abend. Am nächsten Tag standen meine Urgroßeltern allein im Lokal, denn der Kellner kam nicht zur Arbeit. Sie wollten das nicht glauben und fuhren erst Tage später in den Westen.
(Elke und Dietrich H. aus Falkensee)

Frau K. eine Kollegin meiner Mutti, lag im Krankenhaus in Westberlin. Am Tag der Maueröffnung hörten sie es durch die Flure hallen und konnten es nicht glauben. Sie wurde wenig später entlassen, ging noch in einen Einkaufsladen und wollte einige Lebensmittel kaufen. Dieser war so voll, dass sie im Laden einen Schwächeanfall bekam und umfiel. Die „Ossi’s“ kamen und wollten die tollen Sachen aus dem Westen kaufen. Das war grauenvoll sagt sie. Sie lebte gern im Westen Berlins.
(Carmen K. aus Velten)

Marion, unsere Helferin hörte im Radio von einer Frau, die auf der Mauer herumlief, und dachte sich nur: „Mädel komm da herunter oder willst du erschossen werden?“ Denn dass die Mauer wirklich fällt glaubte niemand. Im Radio erzählten sie davon, Marion ging aber schlafen und konnte der Meldung keine Wahrheit abgewinnen. Am nächsten Morgen ging sie wie gewohnt arbeiten. Der Chef fiel ihr am nächsten Tag weinend um den Hals und bedankte sich bei Ihr, dass Sie zur Arbeit erschien. Sämtliche Kollegen sind in den Westen gelaufen und kamen nicht zurück.
(Marion H. aus Berlin)

Mein Stiefvater war 7 Jahre alt und wohnte in Wusterhausen/Dosse. Er saß mit seinen Eltern im Wohnzimmer und guckte die Nachrichten. Dort erzählte Herr Schabowski in einer Pressekonferenz, dass die Berliner Mauer nun geöffnet sei, ab jetzt — unverzüglich. Seine Eltern konnten das nicht glauben und sie sind ganz normal schlafen gegangen, als wäre es ein Tag wie jeder andere. Am nächsten Tag kam sein Vater von der Arbeit und war ganz aufgeregt, alle sollten Sachen packen, es ging sofort los nach Berlin Staaken über die B5, zur Heerstraße. Denn sämtliche Arbeitskollegen waren nicht zur Arbeit erschienen. Sein Chef fragte was er auf der Arbeit wolle, es sind alle in den Westen abgehauen. Im Westen angekommen gab es für jeden Ostbürger 100 Mark Begrüßungsgeld und dieses wurde gleich in einen Farbfernseher eingetauscht. Das war toll. Die Straßen waren so voll — überall Menschen. Und Ampeln sowas kannte man auf den Dörfern nicht.
(Marcel Sch. aus Falkensee)

Der 9. November l989 war wie jeder Tag, wir bekamen nichts mit. Am Freitagmorgen ging ich normal zur Arbeit, dort erfuhr ich von der Maueröffnung. Meine Frau war im Mutterschutz zu Hause, erfuhr es durch ein Telefonat mit Freundschaften, mit denen waren wir am Abend verabredet. Mit beiden fuhren wir zur Invalidenstraße (ehem. Chausseestraße). Mit der Straßenbahn überquerten wir den Grenzübergang, oh man war die voll. Die Massen von Menschen strömten durch die Straßen, in unserer unmittelbaren Nähe lief sogar Willy Brandt in der Menge. Es war bereits sehr dunkel, aber wir wollten den Flair, der jedem bekannt aus dem Fernsehen war, erleben. Wir gingen den Ku’damm entlang und schauten uns die Schaufenster an. Waren aber sehr enttäuscht es wirkte nicht wie im Fernsehen. Unsere Kinder blieben zu Hause bei meiner Mutter, die war ja bereits Rentnerin und konnte jederzeit in den Westen reisen. Von Samstag zu Sonntag haben wir die erste Nacht im Westen verbracht bei Verwandten.
(Kersten M. aus Falkensee, damals Prenzlauer Berg)

Fleißig zusammengetragen von Lennard M., 9c