Ein neonfarbener Regenschirm

Meine Mutter war damals 10 Jahre alt. Sie lebte schon immer in Falkensee. Als die Grenze öffnete, fuhr sie mit ihren Eltern und Schwester zwei Tage später nach Westberlin. Sie war überwältigt von den bunten Farben in den Geschäften. Das erste, was sie sich gekauft hat, war ein neonfarbener Regenschirm.

Das Leben als Kind in der DDR empfand sie als schön. Da sie „Westverwandtschaft“ hatten, kamen regelmäßig „Westpakete“ mit vielen tollen Sachen drin. Wie zum Beispiel Schokolade, Kaffee und Anziehsachen. In Falkensee haben die Leute auch früher schon gut gelebt. Hier gab es viele Fleischer und Bäcker. Da meine Oma, mein Opa, meine Ur-Oma und mein Ur-Opa schon zu Ostzeiten selbstständig waren, ging es ihnen schon immer gut.

Meine Oma war 8 Jahre alt, als die Mauer gebaut wurde und 38 Jahre, als die Mauer abgerissen wurde. Für sie war es ein komisches Gefühl, das erste Mal durch den Schlagbaum zu fahren, da sie genau an diesem groß geworden ist. Sie hatte zu Ostzeiten aber auch ein gutes Leben. Haus, Pool, Auto und Arbeit, alles war da. Schöne Urlaubserinnerungen an Ungarn, Tschechien und viele Fahrten an die Ostsee.

Jerome K., 8a