Er war neugierig, die tollen Nachrichten im Original zu erleben

Mein Opa erzählte mir folgendes zum Mauerfall

Er war am 9. November 1989 zu Hause in Berlin Waidmannslust (West-Berlin) und hat die Nachrichten (vor 19.00 Uhr) über der Mauereröffnung im Fernsehen gesehen und durch Liveübertragungen auf verschiedenen Kanälen verfolgt.

Die Aussage von ZK-Mitglied Herr Schabowski „Die Reisefreiheit gilt für alle DDR-Bürger unverzüglich, also sofort, ohne Einschränkungen!“ hat mein Opa bei der ersten Aussage nicht bewusst verstanden, da sie für ihn zu diesem Zeitpunkt vollkommen unmöglich erschien.

Erst auf Nachfrage eines Journalisten wiederholte Herr Schabowski seine Aussage und dann begriff mein Opa, was diese Zusage für Auswirkungen haben musste. Er hatte großes Interesse und war neugierig, die tollen Nachrichten im Original zu erleben. Leider war es ihm auf Grund seiner familiären Situation nicht möglich, an populären Schauplätzen noch am gleichen Abend oder in der Nacht zu fahren, was er sehr bedauerte.

Favorit war für ihn die Bornholmer Straße – Bösebrücke. Vielen Menschen, denen er am nächsten Tag begegnete waren glücklich und lächelten. Die Dankbarkeit, dass eine friedliche Revolution zu einem ersten herausragenden Ereignis geführt hat, an der Tausende vorher auf die Straße gegangen sind und damit einer Diktatur die Stirn boten und sie bereinigten, war für ihn spürbar.

Er habe sich selten persönlich glücklicher gefühlt, als an diesen Tagen nach Mauereröffnung. Überall entdeckte er entlang dem ehemaligen Todesstreifen, wie Menschen beiderseits der Grenze Öffnungen schufen. Mit seiner kleinen Tochter (meiner Tante) ist er auf dem Fahrrad gefahren und über eine geöffnete Brücke zur DDR-Seite gewechselt. Dort ist er über einen kilometerweiten, asphaltierten Weg gefahren. Hier erlebte er zum ersten Mal bewusst, was diese Grenzöffnung auch für West-Berliner an mehr gewonnener Freiheit bedeutet.

Vor allem aber war er von den vielen Menschen begeistert, die in Richtung Zoologischer Garten, Kurfürstendamm, KaDeWe usw. unterwegs waren, welche nun die Glitzerwelt und das riesige Angebot an Waren bestaunten, sich inspirieren ließen und unglaublich glücklich waren. waren. Mein Opa spürte die Begeisterung die von dieser großartigen Grenzöffnung ausging und wäre froh, wenn diese Zufriedenheit und dieses Verständnis heute noch vorhanden wäre.

Louis W., 9c