Noch heute pflegt mein Vater Bekanntschaften aus dieser Zeit

Was war am 09. November 1989? Am 09. November 1989 ist die Berliner Mauer gefallen. Dieses Ereignis bewegt die Welt heute noch.

Mehr als 28 Jahre lang war sie ein Grenzbefestigungssystem entlang der Grenze zwischen West- und Ost-Berlin sowie der Umgebung der DDR. Insgesamt war sie 155 km lang und verlief mitten durch die Stadt. Wie war die Auswirkung auf die Berliner in dieser Nacht?

Gegen 23 Uhr drängen Tausende an der Bornholmer Straße nach vorn. Am Schlagbaum wird es immer bedrohlicher. Keiner weiß genau, ob es sich nun um ein Gerücht handelt. Die Grenzsoldaten sind völlig überfordert. Eine halbe Stunde vor Mitternacht entschließen sich einzelne Grenzkommandanten, die Tore einfach zu öffnen – die Mauer fällt in dem Moment. Auch an anderen Übergängen der innerdeutschen Grenze strömen Tausende DDR-Bürger in die Bundesrepublik und werden im Westen begeistert empfangen.

00:00 Uhr: Alle Grenzübergänge in Berlin sind offen.

Zwischen 1 und 2 Uhr: Auf der Mauer tanzen die Menschen vor Freude. Der Betonwall ist von einigen Tausend Menschen besetzt. Sie bearbeiten die Mauer auf der Westseite mit Hämmern und Meißeln. Von den Übergängen strömen die Menschen zum Kurfürstendamm, der bis zum frühen Morgen in eine Partymeile verwandelt wird.

Zu diesem Ereignis habe ich Zeitzeugen befragt und ein paar interessante Informationen und Reaktionen festhalten können. Einer dieser Zeitzeugen war mein Vater, der häufig von diesem Ereignis berichtet. Er selbst wohnte an der Bornholmer Brücke im 4. Stock. Der Balkon der Wohnung war gen Ost-Berlin gerichtet. Mein Vater war zu dieser Zeit 14 Jahre alt, als er gegen 1 Uhr von meinem Opa geweckt und zum Balkon geführt wurde. Mein Vater erschrak, als er die sonst so ruhige Bornholmer Straße erblickte, die voll mit Menschen war, die sich lautstark freuten und umarmten, feierten und teilweise tanzten.

Im selben Augenblick klingelte es an der Tür – Freunde meines Vaters. Wenig später war der gesamte Kiez auf der Straße und hieß unsere Brüder und Schwestern, Verwandte und Freunde willkommen. Die nächsten Tage waren die Schulen geschlossen und als sie wieder öffneten, fuhr mein Vater mit Reisebussen zum U-Bahnhof Osloer Straße, die die BVG in der 89 Linie eingesetzt hatte. Mein Vater beschreibt die Tage nach dem Mauerfall als wie im Ausnahmezustand. LKW voll mit Getränken, Zigaretten oder Schokoladensorten öffneten auf der Bornholmer Straße ihre Ladeflächen und verteilten diese unter den Massen. Noch heute pflegt mein Vater Bekanntschaften aus dieser Zeit und man merkt ihm beim Erzählen an, dass es ihm vorkommt, als wäre es gestern.

Katharina H., 9c