Renovierungsarbeiten

Erhard und Ilona Zippel

Unser Erlebnis am 9.11.1989

Am 9.11.1989 waren wir den ganzen Tag mit Renovierungsarbeiten bei unseren Eltern beschäftigt. Das Radio lief nebenbei und immer wieder kamen Nachrichten von den Unruhen in der DDR. Nachmittags wurde dann eine Pressekonferenz angekündigt, die live übertragen werden sollte. Also beeilten wir uns, mit der Renovierung fertig zu werden. Beim Abendbrotessen schalteten wir dann den Fernseher ein. So gegen 18.00 Uhr begann die Übertragung. Zuerst waren das alles nur altbekannte Floskeln. Hellhörig wurden wir, als Günter Schabowski von Privatreisen ins Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen sprach. Diese werden auch kurzfristig erteilt. Wir waren fassungslos, denn normalerweise durften nur Rentner reisen mit Verwandtschaft im Westen.

Als Herr Schabowski dann auch noch mitteilte, dass Visa auch zur ständigen Ausreise kurzfristig erteilt werden, liefen meinen Eltern die Tränen herunter. Sie haben schmerzlich miterlebt, als die Mauer gebaut wurde, und erleben nun, dass sie eventuell wieder geöffnet wird. Meine Mutter hatte nämlich alle Familienangehörige in der DDR.

Beinahe hätten wir durch unseren Jubel den wichtigsten Teil nicht gehört. Fast am Ende der Pressekonferenz fragte nämlich ein Journalist, ob das auch für
Westberlin gilt und wann die Regelung in Kraft tritt. Nie werden wir vergessen, wie Günter Schabowski auf seinen Zettel rumsuchte und dann meinte, dass es seiner Meinung nach auch für Westberlin gelte und dass das sofort in Kraft tritt.

Wir waren alle perplex und konnten es nicht richtig fassen. In den nachfolgenden Nachrichten wurde dann immer wieder davon geredet, dass die Grenze geöffnet wird. Ein Sender zeigte dann auch schon das unmittelbar nach dieser Aussage, dass Menschen in Ostberlin zu den Grenzübergängen liefen und ausreisen wollten. Sie riefen „Tor auf – Tor auf“. Den ganzen Abend unterhielten wir uns über die Möglichkeit, unsere Verwandtschaft wieder zu sehen.

Als wir dann um Mitternacht hörten, dass alle Grenzübergänge geöffnet wurden, zogen wir uns an und fuhren mit unseren Eltern zum Kurfürstendamm. Dort war schon die Hölle los. Die Menschen aus Ost und West fielen sich in die Arme und weinten. Wir waren zwar richtig müde, aber wir feierten noch bis in den frühen Morgen. Nie werden wir diesen schönen Augenblick vergessen und sind dankbar, dass es so friedlich abgegangen ist.

Am nächsten Tag sahen wir im Fernsehen, dass Menschen auf der Mauer am Brandenburger Tor tanzten. Auch wir haben uns zum Andenken ein Stück Mauer abgeklopft.

Laurin Z.