Schade, dass ich noch nicht auf der Welt war, ich hätte gerne gesehen, wie glücklich meine Eltern in diesem Augenblick waren

Ich habe meine Eltern befragt und möchte euch nun an ihren Erinnerungen vom Mauerfall teilhaben lassen. Meine Mutter hatte wenige Tage zuvor meinen Bruder geboren und kam am 09.11.1989 mit ihm aus dem Krankenhaus nach Hause.

An diesem Tag fiel die Mauer am „alten Grenzübergang-Heerstraße“. Mein Vater war beim Ofenheizen, als es in den Nachrichten die Info vom Mauerfall in der Max-Reimann-Straße gab. Von „Völkerwanderung“ war die Rede. Es war der 13.11.1989. Die Stimmung war überwältigend. Es gab Jubel und Freude auf beiden Seiten, Ost und West. Im Gedränge blieb mein Vater irgendwo an einem Zaun hängen und zerriss sich seine gute Jacke. „Egal“ dachte er bei sich, „Die Mauer ist weg und scheiß was auf die Jacke“. Meine Mama verstand ihn sehr gut und nahm es so hin, als er spät am Abend nach Hause kam, mit leuchtenden-strahlenden Augen. Papa wusste vor Freude nicht was, bzw. wie er ihr dieses tolle Ereignis beschreiben sollte. Aber er hat es dann doch hinbekommen, alles von der Maueröffnung zu erzählen. Mama war so glücklich.

Schade, dass ich noch nicht auf der Welt war, ich hätte gerne gesehen, wie glücklich meine Eltern in diesem Augenblick waren und wie mein Vater es ihr erzählt hat. 🙂

Naja auf jeden Fall hat mein Papa die Jacke heute nicht mehr.

Er hat mir noch gesagt, dass es eine der besten Nächte seines Lebens war. Nach einigen Tagen ist der dann mit meiner Mutter und mit meinem Brudi zur Heerstraße gefahren, um die Grenzöffnung als ganze Familie zu erleben.

Samantha Sch., 10f