Wie man Frau Keibel in der Keibelstraße nicht glaubte, dass sie Frau Keibel heißt

Meine Mama, Sabine KEIBEL, wohnte im Westteil Berlins, als die Mauer geöffnet wurde. Kurz nach der Öffnung bekam sie Besuch aus Australien, der die Gelegenheit der offenen Grenze nutzen wollte, um sich auch Ostberlin anzusehen.

Beide trafen sich am Alexanderplatz. Sie gingen dort ins Kaufhaus, um zu gucken, was es dort für die Ostberliner zu kaufen gab. In dem Kaufhaus wurde meiner Mama das Portemonnaie gestohlen, in dem auch ihr Personalausweis war. Den brauchte sie aber immer noch, um abends wieder nach Westberlin zu kommen. Ihr blieb nichts anderes übrig, als zur Polizeiwache zu gehen.

Die war ganz in der Nähe: in der KEIBELstraße! Sie musste dort ihren Namen nennen, doch keiner glaubte ihr, dass sie ausgerechnet so hieß wie die Straße, in der die Polizeiwache war. Und den Ausweis, der das bewiesen hätte, hatte sie ja nicht mehr. Ein Polizist sagte ganz genervt: „Ick will nicht wiss’n, wie die Straße hier heißt. Ick will wiss’n, wie SIE heißen, verdammt nochmal!“ Später glaubte man ihr aber, stellte ihr einen Ausweis aus und sie konnte über den Grenzübergang Friedrichstraße wieder nach Hause nach Westberlin fahren.

Kilian K., Klasse 7f