Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, was das bedeutete, und hat die Auswirkungen der Rede verschlafen

Mein Opa Werner ist heute 65 Jahre alt und Rentner. Im Jahr der Wende 1989 war er 35 Jahre alt. Als Mitarbeiter der Zollverwaltung der DDR war er mit der Abfertigung des Güter- und Reiseverkehrs beschäftigt.

Nach seiner Erinnerung hielt er sich im Oktober 1989 zur Abwicklung des Messeverkehrs in Leipzig auf. Nach seinem Erleben kam es zu dieser Zeit in Leipzig zu den Massen- und Protestdemonstrationen der Leipziger Bevölkerung gegen die politischen Verhältnisse in der DDR und für eine demokratische Neuordnung ohne SED-Herrschaft sowie für die Reisefreiheit der DDR-Bürger. Im Ergebnis dieser Massendemonstrationen in den Städten der DDR wurde Erich Honecker im Oktober 1989 als Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender der DDR von Egon Krenz abgelöst.

Bei seiner Antrittsrede prägte Egon Krenz der Begriff der Wende, in deren Verlauf Günter Schabowski während der Pressekonferenz am Abend des 9. November 1989 neue Reglungen für DDR Bürger für Reisen ins westliche Ausland verkündete. Diese Pressekonferenz verfolgte mein Opa mit seiner Familie zuhause am Fernseher. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, was das bedeutete, und hat die Auswirkungen der Rede verschlafen.

Als er am 10. November 1989 seinen Frühdienst antrat, teilten ihm seine Kollegen mit, das die Grenzen zur Bundesrepublik und nach Westberlin geöffnet wurden. Demnach sollen die DDR Bürger sofort nach der Pressekonferenz in Richtung Grenzübergänge aufgebrochen sein. Teilweise kamen sie dort in Schlafanzügen ohne Ausweise, zu Fuß, auf Fahrrädern bzw. in ihren Trabis an und durften die Grenze passieren.

Mit der Währungsunion 1990 wurde die Zollverwaltung der DDR aufgelöst. Mein Opa wurde durch die Zollverwaltung der Bundesrepublik in den Fahndungsdienst übernommen, wo er dienstlich mit der Aufdeckung und Verhinderung von Zoll- und Devisenverstößen beauftragt wurde.

Paul T.